29. Mai 2007
Tokyo, Japan:
--> neue Photos unter "Galerien: 8 - Japan (2)"
Seit 3 Wochen sind wir Japan unterwegs und der Kontrast zu Indien könnte nicht grösser sein! Alles hier ist unwahrscheinlich sauber, die Menschen sind die Höflichkeit in Person (ist in Indien ja auch meistens der Fall), Alles ist bis ins kleinste Detail perfekt durchorganisiert und Genauigkeit und Pünktlichkeit werden sehr ernst genommen. Die Japaner fühlen sich in Gruppen - sei es Familie oder auch Firma - am wohlsten und sind deshalb immer auf Harmonie bedacht. Ein Japaner verbringt in der Regel auch sein ganzes Erwerbsleben in der gleichen Firma und ist deshalb auch extrem loyal gegenüber seinem Arbeitgeber bzw. Arbeitskollegen und Vorgesetzten.
Eigentlich ist sehr vieles ähnlich wie bei uns in der Schweiz nur, dass die Japaner uns in punkto Sauberkeit und bei Preis/Leistung um Einiges übertreffen. So zum Beispiel ist es uns wirklich ein Rätsel, warum in der 12.4 Mio.-Metropole Tokyo kein einziges Schnippselchen Papier herumliegt (nirgends, auch in der Metro nicht!) und in Bern, ein 140'000 Einwohner Städtchen sieht man überall Abfall herumliegen... sogar die Toiletten, egal wo, sind blitzblank sauber. Unsere Eindrücke sind sicher ein wenig anders, als wenn wir direkt von Europa nach Japan gekommen wären. Aus Delhi kommend wirkt Tokyo nicht wie eine Grossstadt, sondern wie ein gemuetliche Stadt...
Japan ist eine Inselgruppe entlang der Ostküste Asiens und hat 127 Millionen Einwohner, wobei ein grosser Teil davon in den Städten westlich und südlich von Tokio wohnt. Japan ist eine Exportnation. Namen wie Sony, Nikon, Subaru, Daihatsu, Nissan, Toyota etc. sind auf der ganzen Welt bekannt. Weitere Infos zu Japan und seiner interessanten Geschichte schaut ihr am Besten unter "http://de.wikipedia.org/wiki/Japan" nach.
Ein paar Brocken Japanisch lernt man relativ schnell und mit dem Kauderwelsch-Wörterbuch können wir auch komplizierte Dinge fragen. Die Antworten auf unsere Fragen zu verstehen ist allerdings eine andere Geschichte. Vielfach nehmen die Leute einfach an, dass wir demzufolge Japanisch sprechen und plappern munter drauf los ... Lesen ist unmöglich und auch mit gutem Willen dauert es offensichtlich 6 Jahre, bis man mit Hilfe eines Wörterbuches eine Zeitung lesen kann!
Kulinarisch hat Japan sehr viel mehr zu bieten, als das bei uns bekannte Sushi. Man sollte allerdings Meeresfrüchte, Fleisch und Nudeln gerne haben. Alternativ gibt es im ganzen Land ausgezeichnete europäische Kost und natürlich die amerikanischen Fast-Foodketten. Es ist unglaublich, wie viel Fisch hier gegessen wird und diese zu essen wird fuer uns schon fast zur Gewissensfrage. Japan ist ja momentan auch wegen des Walfangmoratoriums bzw. dessen Aufhebung in den Schlagzeilen. Unvergesslich in diesem Zusammenhang war der Besuch des Fischmarktes in Tokio. Gigantische Mengen von Fisch und von undefinierbaren Dingen, welche offensichtlich aus dem Meer kommen, werden hier im 24-Stundenbetrieb verkauft.
Die Rechnungen beim Verlassen der Restaurant sind meistens tiefer als in der Schweiz. Dies liegt auch daran, dass die Getränke (Tee und Wasser) gratis sind. Je nach Restaurant kann die Rechnung auch schnell mal 100 Franken pro Person betragen. Unser Favorit ist und bleibt Sushi. Es gibt verschiedene Arten von Sushi-Restaurants. Zwar nicht immer die qualitativ Besten, aber dafür diejenigen, welche am meisten Spass machen, sind die "Sushizügli", wo das Essen auf einem Band am Tisch vorbeifährt und man sich die Teller schnappt, auf welche man gerade Lust hat. Die Farbe des Tellers bestimmt den Preis. Wenn man irgendwo in ein Restaurant eintritt, dann wird man x mal begrüsst und willkommen geheissen, da wird gelächelt und verbeugt und beim Verlassen wird einem hundertmal gedankt. Budgettechnisch ist Japan eine ganz andere, teurere Welt als Indien. Die Kosten sind ein Vielfaches von dem, was man in Indien bezahlt. Im Vergleich zur Schweiz ist es allerdings immer noch ein wenig billiger.
Der Mai als Reisezeit ist - mit Ausnahme der ersten Woche (sog. Golden Week) - perfekt. Es hat nicht allzu viele Touris und das Klima ist sehr angenehm. Wir hatten bisher nur 3 Regentage und sonst viel Sonne und Wind bei rund 25 Grad. Während unserer Reise haben wir uns auf den Teil südwestlich von Tokio konzentriert und mit dem Zug insgesamt rund 2500 km zurückgelegt. Fasziniert waren wir vor allem vom Shinkansen, dem sog. Bullettrain, welcher mit bis zu 300 km/h durch die Gegend braust.
Nach unserer Ankunft in Tokyo und einem Kurzaufenthalt von zwei Nächten haben wir uns Richtung Kyoto auf den Weg gemacht. Kyoto hat uns derart gepackt, dass wir entschieden, auf dem Rückweg nochmals zwei Tage dort zu verbringen. Die Garten- und Tempelanlagen sind spektakulär und würden alleine schon einen Aufenthalt von einem Monat oder sogar noch mehr rechtfertigen. Gestaunt haben wir über die vielen japanischen Reisegruppen (darunter tausende von Schülern), welche in grossen Buskolonnen zu den wichtigsten Attraktionen gefahren wurden und dafür sorgten, dass man die schönen Tempel und Gärten nicht ganz in Ruhe geniessen konnte.
Zwei einschneidende Ereignisse in der japanischen Geschichte sind die beiden Atombombenabwürfe zum Ende des zweiten Weltkrieges über Hiroshima und Nagasaki. Wir waren in Hiroshima im Memorial Museum, in welchem ziemlich eindrücklich, manchmal fast zu eindrücklich, die unvorstellbare Zerstörung, das darauf folgende Elend und vor allem der völlige Wahnsinn einer Atombombe vor Augen geführt wird. In Nagasaki haben wir auf weitere Memorial-Museumsbesuche verzichtet und die anderen "Attraktionen" bevorzugt. Zwischen diesen beiden Städten haben wir uns ein paar Tage in Beppu und Usuki (Kyushu) ausgeruht und mit Velos die Gegend erkundet. Dieser Teil von Japan ist für seine zahllosen Onsen (Bäder gespiessen von heissen Quellen) bekannt. Nicht verpassen durften wir natürlich den Mt. Fuji. Wenn man Glück hat, kann man den Vulkan aus dem Zug Richtung Süden sehen. Wir hatten aus dem Shinkansen zuerst kein Glück. Als wir dann aber in die Gegend des Mt. Fuji und den 5 Seen gereist sind, konnten wir den Berg an einem der raren wolkenlosen Tage bewundern (siehe Bild!).
Etwas darf im japanischen Alltag nicht fehlen, dass ist die Begeisterung für Sport. Wir hatten Glück und haben einen historischen Augenblick miterleben können beim Sommer-Sumo-Turnier. Ein mongolischer Sumoringer (Hakuho) hat das Turnier gewonnen und wird damit den höchsten Rang im Sumo erreichen. Er ist in der Geschichte des Sportes erst der 69t, der diesen Status erreicht. Neben Sumo ist Baseball eine der Hauptsportarten in Japan. Wir haben uns im Tokyo-Dome die "Giants" gegen die "Buffaloes" angeschaut!
Die Unterkünfte sind hammermässig, insbesondere die im japanischen Stil eingerichteten Zimmer mit Tatamimatten in den Ryokan's sind extrem gemütlich. Sowieso haben wir noch in kaum einem anderen Land soviele schön eingerichtete Guesthouses und Hostels vorgefunden. Das K's House-Hostel in Kawaguchiko (Mt.Fuji; Google-Earth: N 35,30.413/E 138,46.892) ist mit Abstand das schönste Hostel, dass wir jemals gesehen haben. Das Wohnzimmer und die Küche sind ein Traum (inkl. Full-HD-TV!) und das ganze Haus ist sehr sauber und mit sehr viel Stil und Liebe eingerichtet. Es gibt wie überall gratis Kaffee und Tee, Waschmaschine und Tumbler inkl. Waschpulver sind zur Benutzung da und das Internet kann gratis genutzt werden.
Etwas vom Spannendsten hier sind die aktuellen Modestile nach dem Motto "Alles ist erlaubt"... d.h. vom 1985er Bon Jovi-Look bis zur Denver-Clan-Frisur! Der Modestil, den insbesondere die Jungen tragen, gefällt uns (oder zumindest Petra;-)) sehr gut. Teilweise ist das Ganze zwar schon ein bisschen gar schräg und nicht immer der entsprechenden Figur angemessen aber es ist wirklich alles erlaubt, es wird alles wild gemixt und uebereinander getragen und das alles dann doch noch mit sehr viel Stil. Dieser ist schon sehr sehr eigen und viel progressiver als bei uns... massiv progressiver! Extrem "in" sind hier Overkneestrümpfe und Leggins kombiniert mit überlangen Hemden, Pullovern oder Minijupes. Auch der Punk Stil hat hier erstaunlich viele Anhänger und auch Hip-Hop Outfits trifft man oft an. Natürlich sind auch das Deux Pieces, Boleros und sonstige feine Kostümchen klar angesagt. Sowieso mögens die Japaner Edel und sind sehr markengeil. Wären wir nicht noch weitere 4 Monate unterwegs und müssten wir nicht alles rumschleppen, hätten wir schon halb Tokio leergekauft. Tokio ist wirklich DIE Location zum shoppen. New York, London aber auch Singapur sehen blass aus dagegen ...
Es gäbe noch extrem viel zu erzählen über Japan. Wir waren und sind immer noch begeistert. Nun geht's schon bald wieder zurück nach Singapur und von dort nach Sulawesi. Die Anreise auf die Togian Islands dauert insgesamt drei Tage!!
Einen lieben Gruss aus Japan und bis bald
Tinu & Pedi